Vortrag über die Zittwerke AG und Jürgen Ulderup in der NS-Zeit
29. September 2026Am 1. September 2026 sprachen Ina Deppe M. A. und Dr. Michael Kamp in den Städtischen Museen Zittau über Jürgen Ulderup als Leiter der Zittwerke AG. Grundlage war eine wissenschaftliche Biografie, die sie 2018 im Auftrag der Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung vorgelegt hatten. Der Vortrag gehörte zum Begleitprogramm der Sonderausstellung „Staatsgeheimnis! Die Zittwerke. Ein Rüstungskonzern im Nationalsozialismus“.
Nach 1933 gelang dem studierten Wirtschaftsingenieur ein rascher Aufstieg in der NS-Luftfahrtindustrie. 1941 übernahm er eine führende Position bei den Junkers-Motorenwerken in Dessau. Parallel trat er u. a. der Reiter-SS und der NSDAP bei. Der Vortrag fragte nach Ulderups Verantwortung als Rüstungsmanager im Kontext der Radikalisierung der Luftrüstung in der letzten Kriegsphase. Im Mittelpunkt stand Ulderups Rolle an der Spitze des 1943/44 aufgebauten Junkers-Tarnunternehmens „Zittwerke AG“. Dort wurde das Strahltriebwerk Jumo 004 in Serie hergestellt. An den zahlreichen Produktionsstandorten wurden tausende ausländische Zwangsarbeitende und KZ-Häftlinge eingesetzt.
Beleuchtet wurde auch die Verbindung der Zittwerke zu einem unterirdischen Junkers-Werk, das unter dem Tarnnamen „Malachit“ bei Halberstadt errichtet worden war. Mindestens 1.800 Häftlinge des KZs Langenstein-Zwieberge starben bei dem Einsatz bis Mitte April 1945. Zum Abschluss ging es um Ulderups beruflichen Neustart nach 1945 und seine Karriere als Gründer eines mittelständischen Automobilzulieferers. Einer Entnazifizierung entging Ulderup durch Ortswechsel.
Die anschließende Diskussion mit Bürgerinnen, Bürgern und Fachpublikum zeigte die Bedeutung des Themas in Zittau. Die Sonderausstellung ist ab dem 14. November 2026 im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster zu sehen.
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Die ReferentInnen im Gespräch mit dem Zeitzeugen Siegfried Grimm. 1930 geboren, musste er als Auszubildender im Frühjahr 1945 noch für wenige Wochen bei den Zittwerken auf dem Kasernengelände in Kleinschönau (heute Sieniawka) arbeiten. Hiervon und von den strengen Sicherheitsauflagen berichtete er zu Beginn der Veranstaltung.
(Foto: Peter Knüvener)
Plan der Zittwerke auf dem Kasernengelände in Kleinschönau nahe Zittau 1944/45. (Bild aus: Tomlow/Nguyen: Bauensemble, S. 30.)
Jürgen Ulderup (1910 bis 1991) als Vorstand der Lemförder Metallwaren AG, 1960er Jahre.
(Bild: Unternehmensarchiv der ZF Friedrichshafen AG, Archiv Lemförde, vgl. auch Michael Kamp / Ina Deppe / Robert Kieselbach: Jürgen Ulderup (1910 bis 1991). Manager, Unternehmer und Stifter, München: August Dreesbach Verlag 2018.)