Aktuelles

Studien zur Geschichte der Vorgängerorganisationen des DLR von 1907–1945. Der „Unrechts“-Band: Verfolgung, Menschenversuche und Zwangsarbeit. Teilstudie „Verfolgung“.

6. Juli 2026

Die DLR‑Vorläufer dienten dem NS-Regime samt dessen Angriffs- und Vernichtungskriegen nicht nur durch ihre Beiträge zur Luftfahrtforschung. Sie dienten dem NS-Regime auch bei der Diskriminierung von jüdischen und politisch verfolgten Mitarbeitenden, mithin auch im ideologischen Kernbereich des Regimes. Dies ist die Quintessenz der ersten von drei Teilstudien des Bandes 3 aus der Reihe „Die Geschichte der Vorgängerorganisation des DLR von 1907–1945“.

Drei Teilstudien. Vier Mitarbeitende von Neumann & Kamp erarbeiteten diese drei Teilstudien. Robert Kieselbach und Christian Schwartz untersuchten den Aspekt der Menschenversuche, Ina Deppe jenen der Zwangsarbeit, Christian Rohrer verfasste die Teilstudie zu Verfolgung. Letzterer auch leitete das Projekt, dessen Resultate in diesen Band mündeten, und führte die Ergebnisse der Teilstudien in einem kurzen abschließenden Text zusammen. Die genannten Themen verbindet bei allen Unterschieden eine gemeinsame Fragestellung: Inwieweit haben die DLR-Vorläufer Menschen geschadet, für die sie selbst verantwortlich waren? Nicht zuletzt daran bemisst sich die historische Verantwortung, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Nachfolgeorganisation dieser Luftfahrtforschungsanstalten heute trägt.

Die DLR-Vorläufer. Das waren die Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA) in Göttingen, die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin-Adlershof, die Drahtlostelegraphische und Luftelektrische Versuchsstation Gräfelfing (DVG) sowie das Flugfunk-Forschungsinstitut Oberpfaffenhofen (FFO), und schließlich die Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) in Braunschweig, ab 1938 als Luftfahrtforschungsanstalt Hermann Göring (LFA) bezeichnet.

Verfolgung. Die Verfolgung von jüdischen und politisch „belasteten“ Mitarbeitenden setzte im Deutschen Reich unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ein. Die wesentlichen rechtlichen Grundlagen diese weltanschaulich begründeten Verfolgung waren das Berufsbeamtengesetz vom April 1933 und das Reichsbürgergesetz vom September 1935. Die DLR-Vorläufer beteiligten sich an dieser Verfolgung; sie unterscheiden sich insofern grundsätzlich nicht von vielen anderen wissenschaftlichen Institutionen, für die solche Verfolgung bereits nachgewiesen wurde. Ein präziser, quantifizierender Vergleich wird dabei im Fall der DLR-Vorläufer durch einen ungenügenden Forschungsstand und die schlechte Quellenlage verunmöglicht.

Der Umgang mit jüdischen Mitarbeitenden. Mit jüdischen Mitarbeitenden war im Wesentlichen nur bei jenen DLR-Vorläufern zu rechnen, die bereits 1933 existierten. Dies war bei AVA, DVL und DVG der Fall, während DFL und FFO erst 1936/1937 gegründet wurden. Gesichert ist, dass es bei der AVA und bei der DVL bereits zur Weimarer Zeit jüdische Mitarbeitende gab, bei der sehr kleinen DVG nicht. Dabei muss entlang der NS-Gesetzgebung differenziert werden. Für „Volljuden“ (drei oder jüdische Großeltern) war in Luftfahrtforschungsanstalten ab 1933 generell kein Platz mehr. Bei der AVA konnte ein jüdischer Ingenieur nicht in den Betrieb zurückkehren, bei der DVL wurden mindestens fünf Ingenieure aus „rassischen“ Gründen entlassen beziehungsweise zum Verlassen der Luftfahrtforschungsanstalt gedrängt. Mehr Spielraum bestand bei „Mischlingen“ (ein/zwei jüdische Großeltern) und „jüdisch Versippten“ (nichtjüdische Ehepartner), hier sind wenige Fälle der Weiterbeschäftigung bekannt. Offenbar wurde, wie in anderen wissenschaftlichen Institutionen auch, in allen Luftfahrtforschungsanstalten die antisemitische Ausgrenzung schon bald in ihre Verwaltungspraxis integriert. Dies geschah beispielsweise durch die systematische Überprüfung der Belegschaft anhand von „Arierfragebögen“ und durch die Verankerung des „Ariernachweises“ in der Betriebsordnung. Bei mindestens einem Mitarbeiter – Franz Siegmund Eisner (siehe Bild) – stand die Herausdrängung aus der DVL 1933 am Anfang einer Abfolge, an deren Ende Eisner Opfer des Holocaust wurde. Er wurde 1944 in Auschwitz ermordet.

Der Umgang mit politisch verfolgten Mitarbeitenden. Politische Verfolgung im NS-Staat betraf im engeren Sinne vor allem Angehörige oppositioneller Parteien, Gewerkschaften und von Kirchen. Im weiteren Sinne zählen all jene dazu, die wegen manifestierter Gegnerschaft zum NS-Regime verfolgt wurden. In den DLR-Vorläufern wurden zunächst wie andernorts auch zunächst Personen aus dem Arbeitermilieu auf politische „Belastung“ überprüft, auch in Zusammenarbeit mit Abwehr und Gestapo. Ab Mitte der 1930er-Jahre weitete das NS-Regime die Repression auf allgemein systemwidriges Verhalten aus. Die Leitungen der Luftfahrtforschungsanstalten mussten dabei auch auf politische Verfolgung durch Dritte reagieren, insbesondere durch die Gestapo. Sie versuchten daher, politische Konflikte durch Kooperation von Personalabteilung, DAF und Abwehrbeauftragten möglichst vorab intern zu klären, ehe sie nach außen drangen. In wenigen Fällen wurden Personen der DLR-Vorläufer aufgrund politischer „Belastung“ entlassen; dabei war politische „Belastung“ mehrfach nur ein Faktor unter anderen. Wesentlich gewichtigere Faktoren bei Entlassungen waren die Aspekte von Sicherheit und Geheimhaltung. Zudem zeigten sich in den DLR-Vorläufern bei politischer Verfolgung im Vergleich zur „rassischen“ Verfolgung größere Handlungsspielräume. Anders als bei „Volljuden“ war für politisch „belastete“ Personen weiterhin Platz in den Luftfahrtforschungsanstalten. Einige von ihnen wurden wiederbeschäftigt, in mindestens einem Fall sogar aus der Haft heraus. Die Luftfahrtforschungsanstalten sicherten sich so dringend benötigte Arbeitskräfte und konnten zugleich in solchen Fällen für die Betroffenen als „Schutzraum“ dienen. Das waren aber sicherlich Ausnahmen. Demgegenüber ist gesichert, dass ein direkter Weg vom Ausschluss eines homosexuellen Mitarbeiters durch die DVL 1939 zu seiner Ermordung im KZ Sachsenhausen drei Jahre später führte. 

Der Autor der Teilstudie zu „Verfolgung“ ist Dr. Christian Rohrer. Er hat bereits zahlreiche Publikationen zu verschiedenen Aspekten des Nationalsozialismus veröffentlicht (mehr hier).


Historische Aufarbeitung der DLR-Vorgängerorganisationen bis 1945: Studie zur Geschichte der Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen (AVA)

23. Juni 2026

Die von Michael Kamp erstellte Studie zur Geschichte der Aerodynamischen Versuchsanstalt (AVA) unter den Bedingungen des Versailler Vertrags hat zugespitzt folgende Kernaussage: Die Göttinger Einrichtung entwickelte sich nach 1918/19 nicht nur trotz der massiven Einschränkungen der deutschen Luftfahrt dynamisch, sondern gerade auch wegen der vielfach als ungerecht empfundenen Vertragsbestimmungen.

Nationaler-militärischer Kontext seit Gründung 1907. Hintergrund ist, dass die AVA von Beginn an eng in einen nationalen-militärischen Kontext eingebunden war. Bereits die Gründung der Motorluftschiff-Studiengesellschaft 1906, die die AVA 1907 gründete, verdeutlicht die enge Verbindung von Luftfahrt, nationalen Ambitionen und militärischen Erwägungen. Die Studiengesellschaft sollte „in möglichst naher Anlehnung an bereits bestehende Organisationen, auch der Heeresverwaltung, die einschlägigen Fragen“ zur Luftfahrt bearbeiten. Die Bedeutung des Militärs wird auch daran deutlich, dass die Akteure der frühen Luftfahrtforschung vielfach aus einem militärischen Milieu stammten. Zeppelin war Generalleutnant der württembergischen Armee, bevor er sich dem Luftschiffbau zuwandte. Die beiden Geschäftsführer der Motorluftschiff-Studiengesellschaft, Parseval und Kehler, waren ebenfalls Berufsoffiziere gewesen. Wie eng Luftfahrt, Nationalismus und Militär miteinander verknüpft waren, zeigt dann auch die „Nationalflugspende“ von 1912. Die Förderung der Luftfahrt wurde als Beitrag zur „Wehrkraft der Nation“ verstanden. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs arbeitete die Versuchsanstalt ausschließlich für Heer und Marine. Später sprach ihr Leiter Ludwig Prandtl davon, dass die AVA eine „Schöpfung des Krieges“ gewesen sei.

Einbruch nach Kriegsende 1918. Das Kriegsende machte die Abhängigkeit der AVA von militärischen Aufträgen sichtbar. Sie geriet in eine existenzbedrohende Krise. In den Jahren 1919/20/21 spielten militärische Stellen kaum noch eine Rolle. Die zivile Luftfahrt galt als das entscheidende Betätigungsfeld der Zukunft. 1919 etwa führte die AVA Windkanalversuche an der E4/20 durch, einem für 12 bis 18 Passagiere konzipierten Verkehrsflugzeug. Ein weiterer Auftrag betraf Messungen für den Zeppelin LZ 120, der im Zivilverkehr eingesetzt werden sollte. Eine erfolgreiche zivile Luftfahrt wurde zu einem Symbol nationaler Wiedererstarkung und zu einem Feld, auf dem verlorene militärische Handlungsfähigkeit zumindest wissenschaftlich und technisch bewahrt werden sollte. Um ihr Überleben zu sichern, erschloss die AVA zudem neue Forschungsfelder außerhalb der Luftfahrt, darunter Untersuchungen an Automobilen im Auftrag von Rumpler, Benz und Daimler sowie an Windkraftanlagen, Brücken und Gebäuden. Zivile Luftfahrt und die neuen Forschungsfelder konnten jedoch die militärischen Aufträge nicht ersetzen. Die AVA war auf wiederholte Überbrückungsfinanzierungen angewiesen, die unter anderem vom Reichsverkehrsministerium und von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft bereitgestellt wurden.

Integraler Bestandteil der Wiederaufrüstung ab 1923. Ab 1922 lassen sich aber wieder militärisch relevante Arbeiten nachweisen, zunächst für ausländische Auftraggeber. So führte die AVA Untersuchungen an der Rohrbach Ro II durch, die für einen japanischen Besteller entwickelt wurde. Wenig später folgten Arbeiten an eindeutig militärischen Flugzeugmustern wie den Torpedoflugzeugen Heinkel HD 14 und Heinkel HD 33. Beide Flugzeuge waren Teil der Wiederaufrüstungsbestrebungen, die nach der Ruhrkrise 1923 forciert wurden. Hierzu gehörte auch die Rohrbach Ro VIII „Roland“. Die als Verkehrsflugzeug für 10 Passagiere entwickelte Maschine wurde in der geheimen Erprobungsstelle Lipetsk in der Sowjetunion als Bombenflugzeug getestet. Die AVA war auch in der militärischen Erprobungsphase mit aerodynamischen Untersuchungen an dem Projekt beteiligt. Die historische Auswertung der Windkanal-Versuche in Göttingen der Jahre 1919 bis 1932 brachte deutlich mehr militärische Vorhaben zutage als erwartet wurde. Die meisten waren nach dem Versailler Vertrag nicht zulässig. Vielen Ingenieuren, Wissenschaftlern, Militärs und Luftfahrtpolitikern galt der „Schandvertrag“ als ungerechte Beschränkung. Daraus resultierte eine Mobilisierung zusätzlicher Kräfte: Die Wiedergewinnung deutscher Luftfahrtfähigkeit wurde als nationale Aufgabe verstanden, ein Wehrkonsens/Bellizismus bestand und die AVA leistete ihren Beitrag. Der Aufstieg der AVA zeigt sich etwa in der personellen Entwicklung. Während die AVA auf dem Höhepunkt des Ersten Weltkriegs rund 55 Mitarbeitende beschäftigte, sank deren Zahl bis 1920 auf 15. 1932 war die Belegschaft auf rund 85 Mitarbeitende angewachsen und lag damit sogar über dem Stand der Kriegsjahre. Der Aufstieg wird ebenso in der baulichen Expansion sowie in der Verbesserung der Ausstattung deutlich.

Kontinuitäten und Brüche im Übergang zur NS-Zeit. Die Ergebnisse der Studie sprechen hinsichtlich institutioneller Strukturen, personeller Netzwerke, nationalkonservativer Mentalitäten und der militärischen Ausrichtung der Luftfahrtakteure gegen eine Betrachtung des Jahres 1933 als scharfe Zäsur. Kaiserreich, Erster Weltkrieg und der Bellizismus in der Weimarer Republik bereiteten den Boden für einen weitgehend bruchlosen Übergang in die NS-Zeit. Die NS-Machtübernahme markierte zwar den Beginn einer Phase außerordentlicher Expansion der Forschungseinrichtungen und einer konsequenten Fokussierung auf militärische Aufgaben, doch bestanden wesentliche institutionelle und personelle Kontinuitäten fort. Die Indienststellung der AVA für die nationalsozialistische Aufrüstung wurde von den AVA-Akteuren nicht in Frage gestellt, weder als antisemitisch-rassistische Verfolgung und die Unterdrückung Andersdenkender sich nach 1933 Bahn brachen noch angesichts des deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieges ab 1939, zu dem die AVA durch ihre Versuchs- und Forschungsarbeiten beitrug.

Die Entwicklung der AVA zeigt, dass Luftfahrtforschung nie nur Technik- und Wissenschaftsgeschichte war. Sie war immer zugleich Gesellschafts-, Politik- und vor allem Militärgeschichte. Gerade die Gleichzeitigkeit von internationaler Spitzenforschung, zivilen Innovationen und militärischer Nutzbarkeit macht die Geschichte der AVA so interessant und für heutige Debatten über Forschung und Verantwortung weiterhin relevant.

Zum Autor: Dr. Michael Kamp ist Historiker und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Studien zur deutschen Wirtschafts-, Technik- und Zeitgeschichte. Dabei stehen die Wechselwirkungen von technischer Entwicklung, wissenschaftlicher Forschung, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Gesellschaft und Politik im Mittelpunkt. Dies zeigt sich etwa in seinen Untersuchungen zur Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG) und zum Industriestandort Gendorf, in den Biografien zu Wilhelm und Jürgen Ulderup sowie in seinen Arbeiten zum Drägerwerk. Diese Perspektive prägt auch seine Forschungen zur Geschichte der Luftfahrtforschung und der Aerodynamischen Versuchsanstalt (AVA).


Historische Aufarbeitung der DLR-Vorgängerorganisationen bis 1945: Erste Forschungsergebnisse auf der ILA 2026 vorgestellt

16. Juni 2026

Drei wissenschaftliche Monografien von Neumann & Kamp

Wie entwickelte sich die deutsche Luftfahrtforschung zwischen Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg? Welche Rolle spielten wissenschaftliche Einrichtungen bei technischen Innovationen und militärischer Aufrüstung? Wie wirkten sich die politischen Umbrüche des frühen 20. Jahrhunderts auf die Vorläuferorganisationen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus und wie trugen diese zu nationalsozialistischem Unrecht bei? Diesen Fragen widmet sich das seit 2023 laufende Projekt zur historischen Aufarbeitung der Vorgängerorganisationen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bis 1945. Die ersten Ergebnisse wurden am 12. Juni 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz des DLR auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin vorgestellt.

Das Forschungsprojekt gehört zu den bislang umfangreichsten Untersuchungen zur Geschichte der deutschen Luftfahrtforschung. In mehreren Teilprojekten analysieren Historikerinnen und Historiker die Entwicklung zentraler Forschungseinrichtungen wie der Aerodynamischen Versuchsanstalt (AVA) in Göttingen, der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin, der Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) beziehungsweise späteren Luftfahrtforschungsanstalt Hermann Göring (LFA) in Braunschweig, der Drahtlostelegraphischen und Luftelektrischen Versuchsstation Gräfelfing (DVG) sowie des Flugfunkforschungsinstituts Oberpfaffenhofen (FFO). Im Rahmen des Gesamtprojekts entstehen insgesamt fünf wissenschaftliche Monografien, zwei Bildbände sowie eine Ausstellung mit Begleitkatalog. Das Projekt wird voraussichtlich 2027 abgeschlossen.

Zu den auf der ILA präsentierten Neuerscheinungen zählen drei wissenschaftliche Bände, die von Neumann & Kamp Historische Projekte erarbeitet wurden. Sie befassen sich mit der Geschichte der Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen zwischen 1918 und 1933, mit rassistischer und politischer Verfolgung, Menschenversuchen und NS-Zwangsarbeit in den DLR-Vorgängerorganisationen sowie mit Innovationsprozessen in den Jahren 1933 bis 1945. Die Arbeiten beruhen auf umfangreichen Archivrecherchen und erschließen zahlreiche bislang wenig ausgewertete Quellenbestände. Ergänzt wurden die Quellenstudien durch die systematische Auswertung der einschlägigen Forschungsliteratur. Die Untersuchungen leisten einen wichtigen Beitrag zur historischen Erforschung der deutschen Luftfahrtforschung und zugleich zur kritischen Auseinandersetzung des DLR – einer der größten Forschungseinrichtungen Europas – mit seiner Vergangenheit.

In den kommenden Tagen werden wir die drei von Autorinnen und Autoren von Neumann & Kamp erstellten Bände näher vorstellen und aufzeigen, welche neuen Erkenntnisse die historische Aufarbeitung zur Entwicklung der deutschen Luftfahrtforschung erbracht hat. Die Bücher liegen ab sofort gedruckt vor (Cuvillier Verlag Göttingen) und sind im Buchhandel erhältlich. Die E-Book-Ausgaben werden Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 veröffentlicht.

Projektbeschreibung und Informationen zu den Publikationen:
https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2026/dlr-ergebnisse-zur-historischen-aufarbeitung-der-geschichte-seiner-vorgaengerorganisationen

Abgebildet sind die von uns verfassten Bände 1, 3 und 4: 

Band 1: Zwischen Weltkrieg, Versailler Vertrag und Wiederaufrüstung. Militärische und zivile Luftfahrtforschung an der Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen 1918 bis 1933
Autor: Michael Kamp

Band 3: Verfolgung, Menschenversuche, Zwangsarbeit. Unrecht in den Vorläufern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (1933–1945)
Autorinnen und Autoren: Christian Rohrer, Ina Deppe, Robert Kieselbach, Christian Schwartz

Band 4: Höher, schneller, weiter – langsamer. Innovationen und deren Prozesse in den Vorgängerinstituten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) 1933 bis 1945
Autoren: Matthias Georgi, Lukas Wollscheid, Johannes von Wintzingerode, Marc Schmidt


Historische Aufarbeitung in Stiftungen: Michael Kamp und Ina Deppe im Interview mit „Die Stiftung“

11. Juni 2026

Wie gehen Stiftungen mit ihrer eigenen Geschichte um – und welche Bedeutung hat historische Aufarbeitung für ihre Arbeit in der Gegenwart? Diesen Fragen widmet sich ein Beitrag in der Februar-Ausgabe 2026 der Zeitschrift Die Stiftung – Magazin für Stiftungswesen und Philanthropie. Für das Magazin sprachen unser geschäftsführender Gesellschafter Dr. Michael Kamp und die Historikerin Ina Deppe im vergangenen Jahr im F.A.Z. Tower in Frankfurt ausführlich über Erfahrungen und Perspektiven der historischen Stiftungsforschung.

Im Mittelpunkt des Beitrags stehen mehrere unserer Arbeiten und Forschungsprojekte, etwa zu Else Kröner-Fresenius-Stiftung, zur Mez-Starck-Stiftung sowie zur Münchner Rosner-und-Seidl-Stiftung. Der Beitrag zeigt, wie sich Stiftungsgeschichte, Unternehmensgeschichte und die Biografien von Stifterinnen und Stiftern miteinander verknüpfen und welche Erkenntnisse sich daraus für das Verständnis der jeweiligen Institutionen gewinnen lassen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der NS-Zeit und möglicher Belastungen von Stiftungen und Unternehmen, aus denen sie hervorgegangen sind. Zugleich wird die Frage diskutiert, welche Rolle historische Forschung für das institutionelle Selbstverständnis und die Wertevermittlung von Stiftungen spielen kann. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit gilt heute als wichtiger Bestandteil institutioneller Verantwortung. Historische Aufarbeitung kann dazu beitragen, Entwicklungen und Kontinuitäten sichtbar zu machen und damit Transparenz, Glaubwürdigkeit sowie historisches Bewusstsein zu stärken.


200 Jahre Medizin in München

22. Mai 2026

Mit der Eröffnung des Allgemeinen Krankenhauses im Jahr 1813 und der Verlegung der Universität nach München im Jahr 1826 begann der Aufstieg Münchens zu einem der bedeutendsten Medizinstandorte Europas.

Der 84-seitige, reich bebilderte Band 200 Jahre Klinikum der LMU München, verfasst von Neumann & Kamp und erschienen in der Zwey-Verlagsgesellschaft, zeichnet diese Entwicklung bis in die Gegenwart nach – vom Kampf gegen Cholera und Tuberkulose über kolonial-imperiale Medizin, Münchner Nobelpreisträger und die Medizinverbrechen der NS-Zeit bis hin zum neuen Standort Großhadern, Covid-19 und den Zukunftsprojekten der Münchner Universitätsmedizin.

Präsentiert wurde das Buch am 16. April 2026 beim Jubiläumsempfang „200 Jahre Universitätsmedizin in München“ in der Großen Aula der LMU im Beisein des Bayerischen Ministerpräsidenten sowie zahlreicher Gäste aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Mehr als 700 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil.


Die Jahrgangsbücher: Nostalgie zum Verschenken

26. Februar 2026

Wissenswertes und Kurioses aus dem eigenen Geburtsjahr und ein Rückblick in Kindheit und Jugend: Das bieten die Jahrgangsbücher, die jedes Jahr bei Pattloch unter dem Titel „Ein ganz besonderer Jahrgang“ erscheinen. Seit 2015 recherchiert, schreibt und bebildert Neumann & Kamp die Inhalte für diese besondere Geschenkidee. Gerade sind die Bücher für die Geburtsjahrgänge 1946 bis 1986 sowie für die Goldene Hochzeit 2026 erschienen.

Jeder Band beleuchtet das jeweilige Geburtsjahr mit Themenseiten zu Alltag, Trends, Medien, Sport, Verkehr und Zeitgeschehen sowie das Kindheits- und das Jugendjahrzehnt. So wird den Beschenkten ein nostalgischer Rückblick auf die Zeitspanne von der Geburt bis zum 20. Geburtstag beschert – ganz gleich, ob sie in der Bundesrepublik oder der DDR aufgewachsen sind.


Rechercheprojekt für das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Im Auftrag des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin sind wir der Frage nachgegangen, wie Flüchtlinge und Vertriebene, die nach 1945 nach Berlin kamen und dort blieben, in der Stadt lebten und arbeiteten. Was beschäftigte sie, wie begegnete man ihnen – und wie prägten sie Berlin langfristig?

Wir recherchierten Lebensgeschichten, suchten Gesprächspartner:innen und Objekte, mit denen sich Geschichte und Alltag von Flüchtlingen und Vertriebenen in West- und Ost-Berlin bis 1969 erzählen lassen. Ebenso nahmen wir die Reaktionen der DDR-Behörden in den Blick, insbesondere die Beobachtung der sogenannten Umsiedler durch die Staatssicherheit. Nach Abschluss der Arbeiten konnten wir dem Dokumentationszentrum neben zwei themenspezifischen Rechercheberichten, Kurzbiografien und Kontakten zu Zeitzeug:innen auch eine Liste mit knapp 120 möglichen Ausstellungsobjekten vorlegen.

Unsere Arbeit war Teil der Vorbereitungen für die Sonderausstellung „Zuflucht Berlin. Vertriebene in der geteilten Stadt“, die ab Frühjahr 2027 auf rund 460 Quadratmetern im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin zu sehen sein wird.

Bild: Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Einblicke in die Ständige Ausstellung, fotografiert von Markus Gröteke.


Neue Erinnerungszeichen in der Ohmstraße in München

4. Februar 2026

Seit vergangener Woche wird an ihrem ehemaligen Wohnhaus in München an die Familie Rothschild erinnert. Im Rahmen des Projekts „Jüdisches Leben in der Ohmstraße“ haben wir am 27. Januar, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, gemeinsam mit der Landeshauptstadt München und ihrem Kulturreferat Public History München fünf neue Erinnerungszeichen in der Ohmstraße angebracht. Die Erinnerungszeichen sind das lokale Pendant zu den bundesweit bekannten Stolpersteinen.

Neben den vier Mitgliedern der Familie Rothschild erinnert eines der neu angebrachten Zeichen an Siegfried Mathias. Der jüdische Kaufmann wurde von den Nationalsozialisten enteignet und nahm sich am 28. Januar 1939 in München das Leben. Während seine Kinder Hans und Else in die USA bzw. nach Argentinien emigrieren konnten, wurden seine Söhne Karl und Georg in Auschwitz ermordet.

Bei der feierlichen Einweihung der Erinnerungszeichen waren neben zahlreichen Nachbar:innen und Teilnehmenden des Projekts auch internationale Medien vor Ort. Wir freuen uns über das Interesse an den Geschichten der Familie Rothschild und Siegfried Mathias und die Aufmerksamkeit, die sie somit jetzt endlich erfahren.

Bilder: Lu Wang, Neumann & Kamp Historische Projekte


Neue Biografie: Heinrich Dräger. Unternehmer, Publizist und Stifter

5. Dezember 2025

Seit 2020 arbeitet das Team von Neumann & Kamp an der Biografie von Heinrich Dräger. Dieser leitete das Drägerwerk in Lübeck in dritter Generation von 1928 bis 1986. Im Zuge des Projekts wurden auch die Dräger-Archive weiter erschlossen, wodurch bislang unbekannte Materialien – unter anderem zum Alltag an der Westfront und zur Gasschutztechnik im Ersten Weltkrieg – zugänglich wurden. Diese Quellen flossen in den nun erschienenen ersten Band der auf drei Bände angelegten Biografie Heinrich Drägers ein.

Der Band rekonstruiert auf Basis des umfangreichen Quellenbestands Drägers familiäre und soziale Prägungen sowie seinen nicht geradlinigen Weg ins Familienunternehmen. Behandelt werden unter anderem seine Schulzeit in Lübeck, der Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg mit 18 Jahren, Erfahrungen im Gaskrieg, militärische Lieferungen des Drägerwerks, die Revolution in Lübeck, der Einsatz in einem Freikorps, ein Landwirtschaftsstudium, die Tätigkeit als Landwirt und schließlich der Eintritt in das Unternehmen. Die Darstellung verbindet diese biografischen Stationen Drägers mit größeren Strukturprozessen wie der Industrialisierung Norddeutschlands, den Umbrüchen des Kriegs und der politischen und ökonomischen Instabilität der Weimarer Republik.

Der erste Band „Jugend und Findung. 1898 bis 1931“ von Michael Kamp ist im Siedler Verlag, München, erschienen.

Das Drägerwerk ist heute ein weltweit tätiges Unternehmen der Medizin- und Sicherheitstechnik mit über 16.000 Beschäftigten. Seine Produkte – von Beatmungsgeräten und Patientenmonitoren bis hin zu Atemschutz- und Sicherheitssystemen – gelten als „Technik für das Leben“.



200 Jahre Dettendorfer: Das Buch zum Jubiläum einer traditionsreichen Spedition

20. November 2025

Die Spedition Dettendorfer in Nußdof am Inn feiert 2025 ihr 200-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erschien eine Jubiläumspublikation, die von Neumann & Kamp und der Zwey Verlagsgesellschaft erstellt wurde.

Die Wurzeln der heutigen Johann Dettendorfer Spedition Ferntrans GmbH & Co. KG reichen weit vor das offizielle Gründungsjahr 1825 zurück. Bereits im Mittelalter waren die Vorfahren der Familie in der Region Nußdorf am Inn im Transportwesen aktiv – als Bauern, Innschiffer und Alpenüberquerer, die Waren über weite Strecken beförderten. Diese frühe Verbindung zur Logistik prägt die Identität des Unternehmens bis heute. Mit der offiziellen Gewerbeeintragung 1825 begann die moderne Firmengeschichte. Besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Dettendorfer zu einer vielseitigen, international tätigen Unternehmensgruppe. Trotz des Wachstums blieb der Bezug zu Herkunft, Werten und Tradition stets zentral.

Die neue Publikation zeigt in kompakten Texten, Bildstrecken und persönlichen Einblicken die wichtigsten Stationen der Unternehmensentwicklung und zeichnet ein lebendiges Porträt der Spedition Dettendorfer und der Eigentümerfamilie.


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