Seifen aus Steinau

13. Februar 2024

Wir recherchieren und schreiben die Geschichte der Dreiturm GmbH im hessischen Steinau. 1825 im benachbarten Schlüchtern als Seifensiederei gegründet, hat sich das Unternehmen über zwei Jahrhunderte hinweg zu einem führenden Hersteller in den Bereichen Hygiene, Gesundheit und Kosmetik entwickelt. Ein Schwerpunkt der Tätigkeit liegt heute auf der Produktentwicklung, Lohnherstellung und Abfüllung für Kund*innen in der ganzen Welt.

Von großer Bedeutung ist die Geschichte der früheren jüdischen Eigentümerfamilie Wolf. Der Unternehmer Max Wolf – ein bekannter Sozialist und Kunstfreund – wurde während des Nationalsozialismus mit seiner Familie schikaniert, inhaftiert und schließlich enteignet. Die Wolfs konnten emigrieren und bekamen die Firma 1948 zurückübereignet. Sie bauten die Dreiturm wieder auf und verkauften ab den 1970er-Jahren sukzessive ihre Anteile. Seit 2018 gehört die Dreiturm der Threet Holding GmbH um den Investor Lars Börgel. Für ihn stellen die lange Geschichte der Dreiturm und die Tradition des Unternehmens im deutschen Beauty-Geschäft wichtige Werte dar, die es zu bewahren gilt.

Neben der Chronik entwerfen wir einen Messeflyer und die Inhalte für den Geschichtsteil auf der Webseite des Unternehmens.


Archivprojekt für die Carl Friedrich von Siemens Stiftung

20. Dezember 2023

Ein auf vier Jahre angelegtes Projekt des Instituts für Zeitgeschichte wird ab Februar 2024 die ersten Jahrzehnte der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München erforschen. Dabei wird vor allem untersucht, ob die Stiftung unter dem langjährigen Geschäftsführer Armin Mohler eine Nähe zur sogenannten neuen Rechten aufwies.

Im Vorfeld dieses Projekts erhielt Neumann & Kamp von der Carl Friedrich von Siemens Stiftung den Auftrag, die historischen Unterlagen der Stiftung in einem Archivprojekt zu erschließen. Dies soll den Wissenschaftler*innen einen gezielten Zugriff auf die Unterlagen ermöglichen. Die Materialien wurden zunächst digitalisiert. Hierfür haben wir die Auswahl, Koordinierung und fachliche Begleitung des Dienstleisters übernommen. Die archivische Erschließung durch unserer Archivteam umfasst die konservatorische Bearbeitung, die Bildung von Verzeichnungseinheiten und die inhaltliche Erschließung der Akten in einer Datenbank. Ein großes Augenmerk wird dabei auf die detaillierte Erfassung von einzelnen Personen, Institutionen und Veranstaltungen gelegt. Der Abschluss des Projekts ist für Ende Januar 2024 geplant, um einen nahtlosen Übergang zum wissenschaftlichen Forschungsprojekt zu gewährleisten.


100 Jahre Nehlsen

15. Dezember 2023

In diesem Jahr kann der Entsorgungsdienstleister Nehlsen aus Bremen auf 100 Jahre Geschichte zurückblicken. Anlässlich des Jubiläums hat unser Team der Niederlassung Hamburg ausgiebig in Sachen „Müll-Geschichte“ recherchiert. Entstanden ist ein edles Jubiläums-Magazin, das die Geschichte Nehlsens in einer detaillierten Darstellung und in Anekdoten, Portraits und zahlreichen Bildern erzählt. Das Familienunternehmen startete 1923 mitten in der Inflationszeit als Ein-Mann-Fuhrunternehmen, um Kies, Möbel und später auch Unrat abzutransportieren. Früh erkannten die Verantwortlichen die Zeichen der Zeit, als die Themen Recycling und Umweltschutz in den 1970er Jahren gesellschaftlich gerade erst aufkamen. Bis heute ist Nehlsen ein Innovationstreiber in der Kreislaufwirtschaft. Auch unser Team hat während der Arbeit für diese lebensnahe Projektgeschichte viel gelernt: Unter anderem, dass Batterien nicht in den Normalmüll gehören, da sie dort für Brände sorgen können!

Zum Jubiläum entstand für die Mitarbeitenden von Nehlsen neben dem Jubiläums-Magazin auch eine Live-Piano-Show mit sehenswerten Bildern aus der Unternehmensgeschichte, die wir im Archiv recherchieren konnten.


LOWA – 100 Jahre

2. November 2023

Der bekannte bayerische Alpinschuhfabrikant feiert 2023 seinen 100-jährigen Geburtstag. Zum Jubiläum beauftragte LOWA ein aufwendig gestaltetes Markenbuch mit vielen Abbildungen und Fotos. Neumann & Kamp recherchierte die Geschichte des Unternehmens und gestaltete die historischen Abschnitte der Publikation. 

Angefangen hatte der Gründer Lorenz Wagner mit einer kleinen Schusterwerkstatt, das Geld für die ersten Maschinen verdiente er sich als Musikant auf Hochzeiten. Während des Zweiten Weltkriegs produzierte das Unternehmen Schuhe für Gebirgsjäger. Als das Bergsteigen und das Skifahren im Wirtschaftswunder zum Vergnügen für die breite Masse wurden, profitierte LOWA und schuf mit dem technisch raffinierten LOWA AIR Skischuh einen ersten Bestseller. Heute zählt LOWA zu den wichtigsten Produzenten hochwertiger Outdoorschuhe weltweit.

Dr. Matthias Georgi und Katharina Roth, waren im September auch zu Gast bei der Jubiläumsfeier von LOWA. Das Unternehmen hatte hierzu in Jetzendorf extra eine Alpenhütte aufgebaut und den Gästen mit Catering und Entertainment einen unterhaltsamen Abend geboten.

(Fotos Buch: Lu Wang, Feier: Matthias Georgi)


75 Jahre Unionhilfswerk

18. Oktober 2023

Neuman & Kamp Historische Projekte durfte die spannende Geschichte des Unionhilfswerks erforschen. Die Ergebnisse flossen in eine 90-seitige großformatige Broschüre ein, die zum Jubiläum erstellt wurde.

Das Unionhilfswerk ist ein Erfolgsbeispiel in der Geschichte der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. In der unmittelbaren Not der Nachkriegszeit wurde es 1947 von Männern und Frauen aus dem Umfeld der CDU in Berlin gegründet. In den Anfangsjahren lag ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Flüchtlingshilfe – so betrieb das Unionhilfswerk etwa ein Heim für aus der DDR übergesiedelte Jugendliche und Heranwachsende. Später wurde das Angebot breiter: Das Unionhilfswerk baute ambulante Versorgungsstrukturen für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen auf, schaffte Einrichtungen für die Betreuung älterer Menschen und wurde auch in der Kinderbetreuung tätig. Die Broschüre gibt Auskunft über diese und viele weitere Ereignisse aus 75 Jahren Unionhilfswerk. Zahlreiche Bilder runden das Werk ab.


Ausstellung „Über 100 Jahre Mitbestimmung bei Dräger“ in St. Marien in Lübeck

25. September 2023

Die von uns 2020/21 in Zusammenarbeit mit dem Gesamtbetriebsrat des Drägerwerks und der IG Metall gestaltete Ausstellung zur Geschichte der Mitbestimmung in dem Lübecker Familienunternehmen wurde nicht nur bei Dräger selbst gezeigt. Nach verschiedenen Stationen – unter anderem im Industriemuseum in Herrenwyk – ist sie aktuell in einem besonderen Ambiente zu sehen: Am 15. September 2023 wurde die Schau „Über 100 Jahre Mitbestimmung bei Dräger“ in der Lübecker Marienkirche eröffnet. Veranstalter ist der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA).

Dr. Michael Kamp, einer unser Geschäftsführer und Mitgestalter der Ausstellung, sprach bei der Eröffnungsveranstaltung ein Grußwort. Darin benannte er die Besonderheit, dass eine Ausstellung zur Geschichte eines Betriebsrats in einer Kirche präsentiert wird: „Ich war erst erstaunt, als ich davon erfuhr, das muss ich gestehen. Ich hatte dann aber – nachdem ich mich mit den Aufgaben des KDA, beschäftigt habe – verstanden, dass die Ausstellung in diesen Rahmen sehr gut passt. Der KDA hat ja den Auftrag, Menschen in der Arbeitswelt zu begleiten und zu unterstützen. Zudem – ein weiterer Aspekt – die Kirche ist selbst eine bedeutende Arbeitgeberin. Mitbestimmung spielt hier selbstverständlich eine Rolle, insofern ist die Geschichte der Dräger-Mitbestimmung in einer Vergleichsperspektive vielleicht hilfreich.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 15.Oktober 2023 in St. Marien zu sehen. Für Schulklassen werden Führungen angeboten.


Archivprojekte für das Landesarchiv Berlin

1. September 2023

Für das Landesarchiv Berlin führt Neumann & Kamp Historische Projekte seit 2022 Archivprojekte durch. Zu den seither abgeschlossenen Projekten gehört zum Beispiel die Erschließung der Protokolle, Beschlüsse und Vorlagen des Magistrats von Berlin zwischen 1948 und 1951 sowie des Senats aus den Jahren 1989 bis 1991. Aktuell reinigen und verzeichnen wir die Unterlagen des Treuhänders der amerikanischen, britischen und französischen Militärregierung zur Rückerstattung des während der NS-Zeit zwangsentzogenen jüdischen Vermögens nach 1945.

Die Arbeiten für das zentrale Staatsarchiv des Landes Berlin beinhalten schwerpunktmäßig alle klassischen archivischen Tätigkeiten, die von unserem Archivteam vor Ort im Archiv ausgeführt werden.


100 Jahre Mitbestimmung bei Dräger

26. Juli 2023

Broschüre als Ergänzung zur Ausstellung

Zum 100-jährigen Jubiläum des Betriebsrätegesetzes von 1920 wurde im November 2021 die Ausstellung zur Geschichte der Mitbestimmung in dem bekannten Lübecker Familienunternehmen eröffnet. Eine neu erschienene Broschüre ergänzt ab sofort die Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit von Neumann & Kamp, Dräger-Gesamtbetriebsrat und IG Metall entstanden war.

Die Broschüre ist reich bebildert und schildert in Schlaglichtern die Geschichte des Betriebsrats bei Dräger – von den Anfängen der Arbeiterausschüsse über das erste Betriebsrätegesetz 1920 und die Zerschlagung der Betriebsräte in der NS-Zeit bis zum Alltag des Betriebsrats in der Gegenwart. Bemerkenswert ist das „Making Of“-Kapitel im zweiten Teil der Publikation. In einer umfassenden Dokumentation lassen sich in Text und Bild Konzeption, Recherchen und Texterstellung, Auswahl der Exponate sowie Aufbau und Eröffnung nachvollziehen. Es wird deutlich, welche Leistung unter den damals herrschenden Corona-Regeln von allen Beteiligten erbracht wurde.

Die Broschüre kann über den Betriebsrat des Drägerwerks in Lübeck bezogen werden.


100 Jahre Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ BW)

28. Juni 2023

Letzte Woche waren wir zum Auftakt für das Projekt „100 Jahre Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ BW)“ in Karlsruhe. Gemeinsam mit dem Landesmedienzentrum planen wir die Konzeption und Durchführung der Jubiläumsveranstaltung mit Fachtagung und Ausstellung im Frühjahr 2024.

Mit den Vorläuferinstitutionen der Württembergischen Bildstelle (1923) und der Schwäbischen Bilderbühne Stuttgart (1924) reichen die Wurzeln des Landesmedienzentrum in die frühe Phase des deutschen Bildstellenwesens zurück. Bildstellen hatten damals die Aufgabe, visuelle Medien und die zugehörigen Abspielgeräte zu sammeln und für den Schulunterricht und die Forschung bereitzustellen. Zentrale Aufgabenfelder sind heute die Bereitstellung von Medien sowie die Ausleihe an Schulen und deren Benutzung vor Ort; immer wichtiger wird aber die Unterstützung und Beratung von Lehrkräften beim Einsatz der Medien im Unterricht und der technische Support von Computernetzwerken in Bildungseinrichtungen.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg.

Bilder: Toni Helmle


NK bei der Tagung „Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Schwaben“

21. Juni 2023

Matthias Georgi und Lukas Wollscheid aus dem Team von Neumann & Kamp haben an einer Tagung der Bezirksheimatpflege Schwaben zu „Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in Bayerisch-Schwaben“ teilgenommen. Ziel der Veranstaltung im Schwäbischen Bildungszentrum Irsee war, aktuelle Forschungsergebnisse zusammenzutragen und Anstöße für weitere Untersuchungen zu geben. In Fachvorträgen gingen die geladenen Historiker:innen grundsätzlichen und fallorientierten Fragen nach. Dabei wurden zum Beispiel das Stalag VII B in Memmingen als zentraler Verteilungsknoten für Kriegsgefangene in Schwaben, die Kriegsgefangenen- und Konzentrationslager in Moosburg, Memmingen, Augsburg, Kempten und Neu-Ulm und Fragen der Erinnerungskultur nach 1945 beleuchtet.

Die Historiker von Neumann & Kamp stellten in ihrem Vortrag erste Ergebnisse zur laufenden Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte der Lechwerke AG in Augsburg vor. Die Recherchen zeigen, dass beim Ausbau des Versorgungsnetzes an der Iller im Unterallgäu Zwangsarbeiter:innen unmittelbar und mittelbar (also bei Firmen, die im Auftrag der LEW arbeiteten) eingesetzt wurden. Als weiterer Forschungsansatz wurde die Bedeutung von Stromlieferanten für die Funktion des Gesamtsystems „Zwangsarbeit“ herausgestellt. Unser Team setzt die Forschungen hierzu aktuell fort.

Die Tagung verdeutlicht, wie fruchtbar der lokale und regionale Ansatz bei der Forschung zu Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft ist und wie viel Arbeit noch zu leisten ist. Die Veranstaltung in Irsee hat hierzu einen wichtigen Beitrag geliefert.

Den offiziellen Tagungsbericht finden Sie bei HsozKult

Bildnachweis: Sammlung Schwabenkartei/Fotokartei, Fotograf: Zacherl (Vorname unbekannt)

Polnische Zwangsarbeiterinnen in Kempten, 1940.

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